Wie viel verdienen Fußballerinnen?
Gehälter, Tabellen & der große Realitätscheck
Verdienen Frauen im Profifußball heute endlich genug zum Leben oder klafft die Lücke zu den Männern weiter unüberwindbar auseinander? Wir blicken tief in die Gehaltsstrukturen.
Frauenfußball boomt weltweit. Die Zuschauerzahlen in den Stadien explodieren, Werbedeals nehmen astronomische Dimensionen an und die TV-Übertragungen erzielen absolute Rekordquoten. Doch spiegelt sich diese gigantische Entwicklung auch auf den Bankkonten der Spielerinnen wider? Wie viel verdienen Fußballerinnen heute wirklich in Deutschland?
Inhaltsverzeichnis
Wenn wir über das Thema sprechen, wie viel Frauen im Profisport verdienen, stoßen wir schnell auf eine enorme Kluft. Auf der einen Seite sehen wir glitzernde Social-Media-Kanäle von Top-Stars wie Giulia Gwinn oder Werbekampagnen mit namhaften deutschen Nationalspielerinnen. Auf der anderen Seite steht die harte Realität von Spielerinnen in kleineren Vereinen der Frauen-Bundesliga oder der 2. Frauen-Bundesliga, die neben dem täglichen, harten Training noch einem regulären Beruf nachgehen müssen, um ihre Miete bezahlen zu können.
In diesem ausführlichen Artikel zeigen wir dir die nackten Zahlen und vergleichen sie mit dem Männerfußball. Wir erklären, warum viele Spielerinnen im Frauenfußball existenzielle Sorgen haben, wie sich die Gehälter bei Vereinen wie dem FC Bayern oder dem VfL Wolfsburg unterscheiden und was das für die Absicherung und Altersvorsorge der Sportlerinnen nach der Karriere bedeutet.
Schnell-Check: Key-Facts auf einen Blick
Damit du sofort im Bilde bist – das sind die wichtigsten Daten zur Gehaltsstruktur im deutschen Frauenfußball:
Die Gehaltsrealität in der Frauen-Bundesliga
Beginnen wir mit der höchsten deutschen Spielklasse, der Frauen-Bundesliga. In den letzten Jahren hat sich hier finanziell einiges getan. Laut dem offiziellen Saisonreport des DFB für die Spielzeit 2023/24 lag das durchschnittliche Grundgehalt einer Spielerin in der ersten Liga bei ca. 4.000 Euro monatlich. Das entspricht einem Jahresgehalt von rund 48.000 Euro (Quelle: DFB-Saisonreport 2023/24).
Was im ersten Moment nach einem soliden, durchschnittlichen Gehalt in Deutschland klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als ein Zerrbild. Denn dieser Durchschnittswert wird durch die Spitzengehälter bei Top-Vereinen wie dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg massiv nach oben gezogen.
Während die Topverdienerinnen bei diesen Spitzenklubs sechsstellige Beträge pro Jahr kassieren, müssen sich Spielerinnen bei kleineren Vereinen – wie etwa dem SGS Essen oder Aufsteigern – oft mit deutlich weniger zufriedengeben. Viele von ihnen verdienen kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn oder sind als Minijobberinnen registriert. DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch bestätigte in mehreren Interviews, dass viele Spielerinnen einkommensteuerrechtlich als Geringverdienerinnen einzustufen sind, wenn man die reine sportliche Vergütung heranzieht (Quelle: HRB Legal).
Verteilung der Gehälter in der Frauen-Bundesliga
Ein entscheidender Faktor bei der Frage, wie viel Fußballerinnen verdienen, ist die Professionalität der Vereinsstrukturen. Während die Frauen-Teams des FC Bayern München und des VfL Wolfsburg voll professionalisiert sind und von den millionenschweren Männer-Abteilungen finanziell subventioniert werden können, kämpfen reine Frauenfußballvereine wie die SGS Essen ohne starken männlichen Profiverein im Hintergrund um jeden Cent.
Die prekäre Lage in der 2. Frauen-Bundesliga
Noch deutlich dramatischer ist die Situation eine Etage tiefer. In der 2. Frauen-Bundesliga ist das Wort „Profi“ oft nur ein theoretischer Begriff auf dem Papier. Zwar ist das sportliche Niveau enorm hoch und der Trainingsaufwand mit meist vier bis fünf Einheiten pro Woche plus langen Auswärtsfahrten am Wochenende extrem zeitintensiv – finanziell ist diese Liga jedoch ein reines Verlustgeschäft für die meisten Spielerinnen.
Eine im Jahr 2024 veröffentlichte anonyme Umfrage der ARD-Sportschau unter 122 Erst- und Zweitligistinnen in Deutschland brachte erschreckende Zahlen ans Licht (Quelle: ARD-Sportschau / Deutsche Rentenversicherung):
- 24 % der befragten Spielerinnen gaben an, für ihren Einsatz im Verein überhaupt kein Geld zu erhalten.
- Satte 34 % der Spielerinnen erhalten maximal 500 Euro monatlich – sie kicken also quasi für ein besseres Taschengeld.
- Nur ein verschwindend geringer Anteil von gerade einmal 5 % kommt auf ein Gehalt von 3.000 Euro oder mehr pro Monat.
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die überwältigende Mehrheit der Spielerinnen in der zweiten Liga ihrem geliebten Sport nicht als Hauptberuf nachgehen kann. Sie müssen nebenbei voll arbeiten oder studieren, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ein typischer Tag einer solchen Spielerin sieht so aus: Acht Stunden im normalen Beruf arbeiten, danach direkt hetzen zum abendlichen Training, das oft bis 21:00 Uhr oder 22:00 Uhr dauert. Am Wochenende stehen dann weite Reisen quer durch Deutschland an. Von Regeneration oder professioneller sportlicher Vorbereitung kann unter solchen Bedingungen kaum die Rede sein.
Genau deshalb fordern etablierte Stimmen des Frauenfußballs wie die ehemalige Bundesliga-Spielerin Lina Magull schon seit Längerem die Einführung eines Mindestlohns für die erste und zweite Liga. Sie argumentiert, dass ein Grundgehalt von 2.000 bis 3.000 Euro im Monat ausreichen würde, damit die Spielerinnen sich voll auf ihren Sport konzentrieren können (Quelle: Zukunft Jetzt – DRV).
Frauen- vs. Männerfußball: Der Gehaltsvergleich
Wenn man das Gehalt im Frauenfußball mit dem im Männerfußball vergleicht, wird das Ausmaß der Ungleichheit besonders deutlich. Während in der Männer-Bundesliga selbst durchschnittliche Profis Millionenbeträge einstreichen, müssen sich die deutschen Nationalspielerinnen mit einem winzigen Bruchteil davon begnügen.
Ein extremes Beispiel: Beim FC Bayern verdient der Top-Stürmer Harry Kane schätzungsweise bis zu 34 Millionen Euro pro Jahr (Quelle: Zukunft Jetzt – DRV). Auch junge Stars wie Jamal Musiala liegen bei schätzungsweise 25 Millionen Euro jährlich. Auf der anderen Seite verdient die Topverdienerin der deutschen Nationalmannschaft, Jule Brand, bei ihrem aktuellen Arbeitgeber schätzungsweise 600.000 Euro pro Jahr (Quelle: BILD-Zeitung / 90min).
Das Gehalt einer der absolut besten deutschen Spielerinnen entspricht also nicht einmal 3 % dessen, was ein männlicher Top-Star beim selben Verein oder in der gleichen Liga kassiert. Das Verhältnis der Durchschnittsgehälter zwischen Männer- und Frauen-Bundesliga liegt schätzungsweise bei 1:40 bis 1:50.
| Kategorie | Frauen (Durchschnitt / Spitze) | Männer (Durchschnitt / Spitze) | Verhältnis |
|---|---|---|---|
| Bundesliga-Durchschnitt | ca. 48.000 € / Jahr | ca. 1.500.000 € – 2.000.000 € / Jahr | ca. 1 : 40 |
| Spitzengehalt in Deutschland | ca. 250.000 € / Jahr (z.B. Giulia Gwinn) | ca. 25.000.000 € / Jahr (z.B. Jamal Musiala) | ca. 1 : 100 |
| Internationale Spitzenwerte | ca. 600.000 € / Jahr (z.B. Jule Brand) | ca. 34.000.000 € / Jahr (z.B. Harry Kane) | ca. 1 : 56 |
| EM-Titelprämie (DFB-Kader 2024/2025) | 120.000 € pro Spielerin (EM 2025) | 400.000 € pro Spieler (EM 2024) | ca. 1 : 3,3 |
Selbst bei den Prämien für die Nationalmannschaften herrscht kein Gleichgewicht, obwohl der DFB hier in den letzten Jahren Anpassungen vorgenommen hat. Sollten die DFB-Frauen den Titel bei der Europameisterschaft (Frauen-EM 2025) holen, erhält jede Spielerin eine Rekordprämie von 120.000 Euro (Quelle: DAZN News). Zum Vergleich: Den DFB-Männern hätte im Falle eines Titelgewinns bei der Heim-EM 2024 ein Betrag von sage und schreibe 400.000 Euro pro Kopf gewinkt (Quelle: DAZN News).
Wer verdient am meisten? Die Topverdienerinnen im Fokus
Trotz der allgemeinen Ungleichheit gibt es einige deutsche Spielerinnen, die sich durch herausragende sportliche Leistungen und kluges Marketing lukrative Verträge sichern konnten. Die absolute Topverdienerin im deutschen Nationalmannschafts-Kader ist laut Berichten der BILD-Zeitung die Offensivspielerin Jule Brand, die schätzungsweise rund 600.000 Euro pro Jahr verdient (Quelle: BILD / 90PLUS).
Dahinter folgen namhafte Akteurinnen wie Sydney Lohmann (Manchester City, ca. 300.000 Euro), Klara Bühl (FC Bayern München, ca. 300.000 Euro) und Sjoeke Nüsken (Chelsea FC, ca. 260.000 Euro).
Ein besonders interessantes Beispiel ist der Bayern-Star Giulia Gwinn. Ihr reines Vereinsgehalt beim FC Bayern wird in den Medien auf rund 250.000 Euro jährlich geschätzt (Quelle: Joyn / ran). Damit liegt sie im oberen Drittel der Bundesliga-Gehälter. Doch für Gwinn ist das noch lange nicht alles. Dank ihrer enormen Popularität und über 670.000 Followern auf Instagram nimmt sie schätzungsweise einen weiteren sechsstelligen Betrag pro Jahr durch Werbepartnerschaften ein. Sie zeigt eindrucksvoll, dass für moderne Profi-Fußballerinnen der eigene Social-Media-Auftritt eine essenzielle finanzielle Stütze sein kann.
Die Top-3 DFB-Gehälter im Überblick (Schätzungen laut BILD 2025/2026):
- Jule Brand (Olympique Lyon) – ca. 600.000 € / Jahr
- Sydney Lohmann (Manchester City) – ca. 300.000 € / Jahr
- Klara Bühl (FC Bayern) – ca. 300.000 € / Jahr
Diese Zahlen machen jedoch auch eines deutlich: Die absoluten Spitzengehälter im Frauenfußball werden fast ausschließlich im Ausland gezahlt (z.B. in der englischen Women’s Super League, in Frankreich bei Lyon oder in der US-amerikanischen NWSL). Wer als deutsche Nationalspielerin das ganz große Geld verdienen will, wählt daher nicht selten den Wechsel ins Ausland zu Clubs wie Manchester City, Chelsea oder nach Übersee in die USA.
Altersvorsorge, Rente und das Leben nach dem Sport
Ein oft übersehenes Problem im Frauenfußball ist die finanzielle Absicherung für die Zeit nach der sportlichen Karriere. Ein männlicher Bundesliga-Profi, der in seiner Karriere auch nur fünf Jahre lang ein durchschnittliches Gehalt verdient hat, hat in der Regel finanziell ausgesorgt. Er kann sich zur Ruhe setzen, kluge Investments tätigen oder sich ohne Geldsorgen seiner weiteren beruflichen Entwicklung widmen.
Für Profi-Fußballerinnen ist das unvorstellbar. Selbst die absolute Top-Elite um Giulia Gwinn oder Klara Bühl muss nach dem Karriereende weiter arbeiten. Da die active Karriere auf hohem Niveau selten länger als bis zum 35. Lebensjahr dauert, bleibt nach dem Abschied vom Platz noch eine extrem lange Lebensspanne, die finanziert werden muss.
Die Deutsche Rentenversicherung warnt in ihren Fachartikeln regelmäßig davor, dass Fußballerinnen massiv von Altersarmut bedroht sein können, wenn sie keine private Altersvorsorge betreiben (Quelle: Deutsche Rentenversicherung, „Zukunft Jetzt“). Da viele Spielerinnen während ihrer aktivsten Jahre nur geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, droht im Alter eine empfindliche Rentenlücke.
Ein weiteres Problem ist, dass viele Spielerinnen während ihrer Profi-Karriere ein Studium oder eine Ausbildung zeitlich nicht voll durchziehen können. Nach dem Ende der sportlichen Laufbahn stehen sie dann ohne nennenswerte Berufserfahrung da und müssen den Einstieg in den normalen Arbeitsmarkt mühsam nachholen. Der Traum vom Profifußball kann sich im Nachhinein also als echtes finanzielles Risiko entpuppen.
Fazit: Wie sieht die Zukunft aus?
Wie viel verdienen Fußballerinnen also heute? Die Antwort ist vielschichtig: Es gibt eine winzige Elite, die sehr gut von ihrem Sport leben kann, doch für die breite Masse der Spielerinnen in der ersten und zweiten Bundesliga bleibt der Fußball ein extrem zeitaufwendiges Hobby mit geringer Bezahlung. Die Entwicklung zeigt zwar deutlich nach oben – das durchschnittliche Gehalt in der Frauen-Bundesliga ist laut DFB-Berichten in den letzten Jahren spürbar gestiegen –, doch von einer echten Gleichberechtigung oder gar fairen Absicherung sind wir noch meilenweit entfernt.
Wenn du den Frauenfußball in Deutschland und die talentierten Spielerinnen unterstützen möchtest, gibt es viele Wege: Geh in die Stadien, abonniere die Streaming-Dienste für die Live-Übertragungen der Spiele und informiere dich regelmäßig auf Portalen wie FFC-Schwerin.de über die neuesten Entwicklungen der Szene. Nur durch steigendes Interesse, höhere Sponsoring-Einnahmen und wachsende mediale Präsenz wird es den Vereinen langfristig möglich sein, ihren Spielerinnen gehälter zu zahlen, die ihrer sportlichen Spitzenleistung wirklich gerecht werden.